Cannabis Indica

Die Pflanze Cannabis Indica, auch unter Indischer Hanf bekannt, entstammt der Gattung Hanf (Cannabis) und gehört zur Familie der Hanfgewächse. Umstritten ist, ob die Indica eine eigene Hanfart ist oder diese eine Unterart des gewöhnlichen Hanfs (Cannabis Sativa) darstellt. Der Artikel behandelt die Indica als eigene Unterart.

Cannabis-Arten

Weltweit existieren unzählige verschiedene Cannabis-Sorten, die sich in ihren Eigenschaften hinsichtlich Wuchsform, Geschmack, Ertrag und Wirkung unterscheiden. Dennoch gehören sie alle der Cannabaceae Familie an und lassen sich einer der drei Hauptgattungen zuordnen:

Diese Sorten haben in verschiedenen Klimazonen ihren Ursprung; es lassen sich Unterschiede in Aussehen, Blühsystem, Wachstum, Lebensraum, Geschmack und Wirkung feststellen.

Reine Sorten findet man allerdings selten, denn Züchter versuchen die besten Eigenschaften aller Arten in neuen Sorten zu verschmelzen, dem sogenannten Hybrid Cannabis.

Unterarten der Indica

Einige Forscher sehen in der Cannabis Indica folgende vier Unterarten, die alle unterschiedliche Verwendungszwecke aufweisen.

  • Cannabis indica subsp. chinensis
  • Cannabis indica subsp. indica
  • Cannabis indica subsp. kafiristanica
  • Cannabis indica subsp. afghanica

Cannabis indica subsp. chinensis
Diese wird zur Faser- und Ölproduktion genutzt; Anbauungsgebiet: China, Korea, Japan und Teile Südostasiens.

Cannabis indica subsp. indica
Aus dieser Art werden Drogen produziert; früher wurde diese in Süd- und Südostasien angebaut, heute weltweit.

Cannabis indica subsp. kafiristanica
Diese kommt hauptsächlich wild oder verwildert vor und wird als wilde Stammform gesehen. Sie findet sich von Kaschmir bis Myanmar.

Cannabis indica subsp. afghanica
Die afghanica wird zur Haschisch-Produktion genutzt und hat ihr Anbauungsgebiet in Afghanistan und Pakistan.

Physische Erscheinung

Die Pflanze ist kompakt, hat ein stämmiges Wachstum und weist eine starke Verzweigung von kurzen Ästen auf. Sie erscheint in einem dunkelgrün, was an der hohen Menge Chlorophyll liegt. An den Stielen werden sogenannte Nodien produziert, woraus sich Blätter, Zweige und Blüten formen. Die Blüten (Buds) der Pflanze finden sich häufig in dichten Clustern, die entlang der Nodien am Stamm und den Zweigen entstehen und typischerweise wenig Platz zwischen diesen Bündeln lassen (=Internodien), die einen sehr markanten Duft ausströmen. Die Pflanze besitzt außergewöhnlich viel Harz, welcher sich bis auf die angrenzenden Blätter erstreckt.

Die Cannabis Indica wächst in der Regel bis zu einer Größe von 1,2 bis 1,5 Meter heran. Sobald die optimale Höhe der Pflanze erreicht ist, wird diese ihre Energie für das Wachstum von dichten, aromatischen Knospen aufbringen.

Systematik

Es befinden sich männliche und weibliche Blüten auf verschiedenen Pflanzen; man bezeichnet dies als zweihäusig; der Indische Hanf blüht einjährig. Die Bestäubung der Pflanze erfolgt durch den Wind und die Keimung der Samen findet im Frühjahr statt.

Kultur-, verwilderte sowie wilde Pflanzen weisen ähnliche Bedingungen hinsichtlich des optimalen Wachstums auf. Sie bevorzugen unbewachsene, gut aufgelockerte, sandige sowie lehmige Böden und eine moderate Luftfeuchtigkeit.

Die durchschnittliche Blütezeit der Cannabis-Indica liegt bei durchschnittlich 6 bis 8 Wochen.

Verwendung

Die Cannabispflanze Indica wird neben dem Zweck zur Drogenproduktion sowie zur Anwendung in der Medizin auch als Öl- und Faserpflanze angebaut. Im Laufe der Geschichte wurde sie für ihre heilende bzw. schmerzlindernde[1] sowie berauschende Wirkung geschätzt.

Als Rauschmittel

Die Hanfart Cannabis Indica weist eine stärkere beruhigende Wirkung auf als die Cannabis Sativa, die eine größere psychedelische sowie aufputschende Wirkung hervorbringt.

Als Arzneimittel

Da die Indica einen erhöhten Cannabidiol-Gehalt (CBD) aufweist, wird diese vorzugsweise bei Krankheiten eingesetzt, die eine entzündungshemmende, krampflösende Wirkung erfordern. Sie kann (vor allem bei chronischen Leiden) schmerzstillend wirken. In einigen Fällen kann diese Kopfschmerzen reduzieren und hilft gegen Angstsymptomatik. Häufig wird die Pflanze bei Schlafstörungen eingesetzt. Der Indische Hanf hilft laut dem Forscher R. Weiss bei starken Schmerzen durch verletzte Muskeln und Sehnen.[2] Die Indica Sorte wird demnach häufig von medizinischen PatientInnen bevorzugt.

Als Nahrungsmittel

Hanfsamen, die für den menschlichen Verzehr produziert wurden, besitzen einen hohen Anteil an Proteinen, Kohlenhydraten und Fetten. Ein hoher Ballaststoff-Anteil sowie verschiedene wertvolle Vitamine und Mineralien gehören zu den Inhaltsstoffen des Hanfs. Aus der Hanfnuss wird das sogenannte Hanföl gewonnen und gilt als sehr nahrhaftes Lebensmittel. Das Öl und die Nuss enthalten mehr als 90 % der mehrfach ungesättigten Fettsäuren.

Wirkung

Die Sorten der Cannabis Indica erzeugen tendenziell eher gemäßigte Menge an Tetrahydrocannabinol (THC) bei gleichzeitig vergleichsweise hohem CBD-Wert.

Die Effekte der Indica werden hauptsächlich körperlich und nachgelagert mental wahrgenommen. Typische Merkmale bei einem Cannabis Indica Rausch sind eine Reduzierung von Stress und Angst – es wirkt generell beruhigend und entspannend. Der typische „Couch Look“, Verstärkung von Sinneseindrücken (insbesondere Geschmacksintensivierung) und gesteigerter Appetit sind ebenfalls typische Auswirkungen des Indica Konsums.

Typische Effekte der Cannabis Indica sind zusammenfassend folgende:

Umfassende Erläuterungen zu dem Thema Wirkungsweise und Anwendungsgebiete der Cannabis-Pflanze sind unter dem Eintrag Cannabis zu finden.

Vorkommen

Die überwiegende Zahl der Indica-Arten stammt vermutlich aufgrund der Klima-Anpassung aus Zentral- bzw. dem Osten Asiens (wüstenhaftes und trockenes Klima in der Steppe), wie etwa Afghanistan, Indien, Nepal, Pakistan. Heutzutage lässt es sich bei den dort wild wachsenden Hanf-Pflanzen schwer sagen, ob es ehemalige Kulturpflanzen oder echte Wildpflanzen der Sorte Indica sind; möglicherweise handelt es sich dabei um Hybrid Cannabis.

Laut einem sowjetischen Botaniker befindet sich die Urheimat des Indischen Hanfs südlich der großen Gebirge, bestehend aus Hindukusch, Pamir und Himalaya. Erste Aufzeichnungen im Westen sind im Jahre 1785 zu finden.

Unterschiede zwischen Indica und Sativa

Bei den beiden Cannabis-Arten Indica und Sativa gibt es in rechtlicher Hinsicht keinerlei Unterschiede. Die Praxis zeigt allerdings, dass die beiden, sei es in ihrer Wirkung, dem physischen Erscheinungsbild oder dem Wachstumsmuster stark voneinander abweichen. Die Unterschiede zwischen diesen Pflanzenarten lassen sich insbesondere darauf zurückführen, dass Cannabis die Fähigkeit besitzt, sich an viele verschiedene Umweltbedingungen anpassen zu können.

Nachstehend sind in aller Kürze die markanten Unterschiede der Sorte Cannabis Indica und Cannabis Sativa aufgelistet:

Herkunft

Während man davon ausgeht, dass die Sorte C. Indica aus Zentralasien und dem indischen Subkontinent stammt (Afghanistan, Pakistan, nördliches Indien, Nepal, etc), kommt C. Sativa aus äquatorialen Regionen, wie Thailand, dem südlichen Indien, Mexiko oder Jamaika.

Physische Erscheinung

Indicas weisen dichte, schwere sowie duftende Buds (Blüten) auf und wirken als Pflanze sehr kompakt und stämmig. Die Blüten der Sativas weisen einen weniger markanten Geruch auf und werden in der Regel größer als die der Indicas, obwohl sie in getrocknetem Zustand häufig leichter sind (der Grund liegt in ihrer geringeren Dichte).

Blütezeit

Ein großer Unterschied der beiden Arten liegt in der Dauer ihrer Blütezeit: Indicas blühen für gewöhnlich schneller (etwa 45 bis 60 Tage); Sativas hingegen brauchen zwischen 60 und 90 Tage bis sie ausgeblüht sind.

Größe

Obwohl der Indische Hanf (Indica) relativ rasch in die Höhe wächst, gerät das Wachstum normalerweise nicht außer Kontrolle. Während der Blüte steigert die Pflanze ihre Größe um 50 bis 100 %. Die Sativa-Sorte, also der Gewöhnliche Hanf hat sich an die Umweltbedingungen tropischer Regionen so gut angepasst (die Tage sind in den Tropen gewöhnlich kurz) dass diese gleichzeitig wächst und blüht. Das Höhenwachstum setzt sich bei dieser Art auch während der Blütezeit fort; es steigert sich in vielen Fällen um 200 bis 300 %, teilweise auch noch mehr.

Wirkung

Die Wirkung der Indica wird häufig mit dem charakteristischen „stoned“-Gefühl beschrieben; es bedeutet, dass diese Sorte hauptsächlich körperlich gespürt wird. Sowohl körperlich aber auch geistig wirkt es entspannend, in höheren Dosen einschläfernd. Hinzu kann eine Steigerung der Sinneseindrücke (Geschmack, Geruch, Geräusche) kommen. Der typische „High“-Effekt wird beim Konsum der Sativa verspürt: Kreativität, Energie und eine psychedelische Wirkung sind bezeichnend.

Hybrid Cannabis

Neue hochpotente Sorten mit einer speziellen Genetik und den bestmöglichen Eigenschaften zu züchten, ist das Ziel von vielen Cannabis-Bauern. Durch selektive Kreuzung von mehreren Cannabis-Arten lassen sich die besten Eigenschaften zusammenführen: hier spricht man von sogenannten Hybriden.

Obwohl die drei Cannabisarten Sativa, Indica und Ruderalis unterschiedlichen Cannabisfamilien angehören, lassen sich alle untereinander kreuzen. Medizinisches Potential, hoher THC-Gehalt, das Vermögen unter speziellen Anbaubedingungen zu gedeihen sind nur wenige der angestrebten Merkmale.

Dies bedeutet, dass es mittlerweile viele Sorten gibt, welche die Merkmale mehrerer Familien besitzen. Dadurch findet man starke und potente Hybriden, bei denen nicht nur die Wirkung oder die Erträge gesteigert werden konnten, sondern die auch eine Robustheit und mangelnde Anfälligkeit für Krankheiten aufweisen. Tatsächlich handelt es sich bei der Mehrheit der heute am Markt vertretenen Cannabis-Sorten, um Hybride.

Weblinks

Einzelnachweise

[1] Marguerite Louise Baur: Recherches sur l’histoire de l’anesthésie avant 1846. Leiden 1927, S. 220–223.

[2] Rudolf Fritz Weiss: Lehrbuch der Phytotherapie. 5. Aufl. Stuttgart 1982, S. 382 f.


Weitere Begriffserklärungen: